Warum die Cocktails gestern nur 3,80 € gekostet haben, ist mir spätestens heute beim Aufwachen klar – der billige Fusel ist mir in den Kopf geschossen wie eine Rakete am Weg zur Mondlandung.
Weil wir es gemütlich angehen wollen, haben wir heute nichts großartiges mehr vor in Berlin, unser Flug geht auch schon zu Mittag (gilt eigentlich Aufstehen und Koffer packen trotz Kater als “etwas Großartiges tun”?
Wenn ja, revidiere ich die vorige Aussage!).
Wir raffen uns also auf und beschließen, zum ersten und einzigen Menüpunkt des Tages zu schreiten, nämlich zum Frühstück. Das ist echt bombastisch in unserem Hotel, deswegen wird erstmal schööön aufgeladen auf die Teller. So richtig All-Inclusive-Touri-Style. Man gönnt sich ja sonst nix. Mein Freund ist übrigens totaler Fan von kostenfreien Buffets, deswegen war er auch der Meinung, in Wien in der Card Complete Lounge 8 Croissants vor dem Abflug verspeisen und mir ein Glas Prosecco aufdrängen zu müssen (man erinnere sich an dieser Stelle an die Uhrzeit unseres Abflugs: 06:25).
Zurück nach Berlin. 3 mega freundliche Mädchen bedienen uns mit typischem Berliner Charme. Eine hat ein Baseballcap rückwärts auf, die andere ein rotes Bandana um den Kopf gebunden und die dritte ist von oben bis unten tättowiert. Muss ich bei uns im Hotel auch mal einführen, so lockeren Stil schätzen unsere Businesskunden sicher sehr, denke ich und esse nachdenklich meinen Kornspitz. Daneben versuche ich, von meinem übervollen Teller möglichst lebensgetreu und ungestellt ein Foto für Instagram zu machen, damit meine Follower nicht glauben ich bin magersüchtig oder so – man muss ja beweisen, dass man zwischendurch auch mal was isst! Mein Freund würde sich gerne mit mir unterhalten, ich kann aber leider nicht, weil ich immer noch verzweifelt versuche, die richtige Position für’s Foto zu finden. So ein Bloggerleben ist echt anstrengend, ähnlich wie bei Hausfrauen hat man eigentlich so gut wie nie frei. Endlich, es ist geschafft, das Foto ist online und ich bin ziemlich zufrieden mit meiner Leistung – schaut echt aus wie ein richtiges Frühstück, total ungestellt!
Während dem Essen lassen wir die Tage in Berlin Revue passieren und gelangen zu folgenden Schlussfolgerungen:
unternimm keinen Städtetrip bei 40 °C
– willst du nette Menschen treffen, fahr nach Berlin, hier ist das Zentrum der Freundlichkeit (kein Scherz!)
– Hotel und Frühstück waren top (ich mein’, es war ja auch pink – was willst du da anderes erwarten?!)
– Currywurst ist wirklich geil – lasst euch nicht täuschen von den ekelhaften, schlabberigen, abgepackten Würstchen die ihr bei uns im Supermarkt kaufen könnt
– ihr braucht für ein Wochenende in Berlin kein Vermögen auszugeben, 
Essen und Trinken sind super billig aber lecker
– erwarte nicht die schönste Stadt Europa’s, nur weil es die größte Stadt Europa’s ist
– achte bei der Hotelauswahl auf die Farbe, wenn es pink ist, ist es gut!
– schaue niemals, NIEMALS einen betrunkenen Berliner auf der Warschauer Brücke zu lang direkt an wenn du ein weißes Hemd trägst
– schreibe keinen sarkastischen Blogpost über deine Erfahrungen in Berlin, wenn du nicht von den Berlinern verbal gesteinigt werden möchtest, es sei denn du hast richtig dicke Eier
 
Müde aber glücklich machen wir uns auf den letzten Marsch über die Warschauer Brücke Richtung S-Bahn, wo wir gleich nochmal von ein paar Überbleibseln des Vorabends dumm angeredet werden – was für ein wunderschöner Abschied, den uns Berlin bereitet. In der S7 setzen wir uns neben ein anderes Pärchen.
Schläfrig lehne ich mich an meinen Freund. Wir fahren gerade am lebensgroßen Barbie Dream House vorbei, als ich die Frau zu ihrem Mann sagen höre: “also, Berlin ist einfach eine hässliche Stadt, man kann’s nicht anders sagen – ich bin froh, dass ich hier nicht hinversetzt wurde”.Ich muss lächeln und nicke ein.

mein Frühstücksfoto für The Daily Dose

COMMENTS


  • Anja

    Absolut genial deine Posts 🙂 Darf ich fragen in welchem Hotel ihr da wart (ich will auch mal in ein pinkes Hotel 😉 ) ?

  • Claude

    Herrlich geschrieben!
    Muss mir Berlin aber mal anschauen, Wien steht aber weiter oben auf meiner Reise-Wunsch-Liste

    <3
    Claude

  • Lara-Elain

    Schade, dass es keinen 4. Teil gibt. 😉 Ich komme alle paar Jahre gerne nach Berlin, bin aber immer wieder froh dort nicht zu wohnen.
    Bei uns nehme ich die Position des all-inclusive Buffets Fans ein, mein Freund kriegt schon nen roten Kopf, wenn ich nur andeute man könnte ja nen Apfel in der Tasche verschwinden lassen. 😉 Und leider habe ich noch immer nicht gelernt, dass die Augen oft größer sind als der Magen.

  • Svetlana

    sehr, sehr toller post!
    wirklich schade, dass einen keinen 4. teil gibt! aber ich würde mich freuen, wenn du öfters socleh psots schreiben würdest, denn du hast talent, dass habe cih dir schon bei teil 2 gesagt 🙂

    lg
    svetlana von Lavender Star

  • Anonymous

    Als ob in Wien nieeeemand mit irgendwelchen Bier-/Weinflaschen herumläuft am Wochenende…

    • Katharina

      da hat wohl jemand die gabe, sarkasmus zu verstehen, nicht in die wiege gelegt bekommen 🙂

  • Kalancea

    loving the last picture 🙂
    xx
    Dana

  • Anna

    Ich bin Berlinerin und würde jedes Wort von dir zu 150% unterschreiben 😉 Am Besten gefällt mir aber die Gratis-Buffet-Angewohnheit von deinem Freund! Sehr symphatisch:D
    LG

    • Karr Jones

      hier auch. in berlin geboren und von außen betrachtet siehts wohl genau so aus 😀
      es ist nur so schade, dass dann leute, die nur so kurz hier sind, gar nicht die schönen seiten kennenlernen können. oder oftmals nicht. wobei, vllt muss man sich auch drauf einlassen können. der ganze schmutz ist nunmal wirklich nicht zu leugnen 😀 und sicherlich ein ganzganz anderes schön als wien 🙂
      allerdings versteh ich auch immer noch nicht warum alexanderplatz und warschauer brücke so gehyped werden, ich finde es fruchtbar dort und versuche es immer zu umgehen.

  • Betty

    Also Wien im Hochsommer ist auch abschäulich. Noch nie in meinem Leben habe ich soviel Bettler und Drogenopfer gesehen. Fürchterlich. Wie kann man leben in einer Stadt mit solchen Gegensätzen? Ich bin damals 9 Stunden vor Abflug zum Airport gefahren, weil ich es so grausam fand. Keine 5 Minuten konnte man am Naschmarkt sitzen ohne massiv angebettelt zu werden. Ein solches Extrem habe ich noch nie erlebt. Ein gebürtiger Wiener, den ich kennenlernte, bestätigte mir, dass es im Sommer dort nicht auszuhalten sei.

    • Katharina

      du solltest vielleicht zur kronenzeitung gehen – ist ungefähr das österreichische pendant zur bild zeitung, falls dir das ein begriff ist!

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