In Österreich ist gerade der Teufel los – die Nationalratswahlen stehen vor der Tür. Da wird plakatiert, politisiert, informiert, korrigiert, philosophiert, diskutiert und fantasiert. Egal ob auf der Strasse, im Radio, in TV-Duellen oder auf Facebook, unsere wahlkämpferischen Politiker sind derzeit omnipräsent. So verschieden die Parteiprogramme und Wahlversprechen sich auch darstellen, so ähnlich hoch gestaltet sich der Unterhaltungswert der einzelnen Parteivertreter für das Volk. Denn was wir zur Zeit von den Staatsmännern und -frauen zu sehen bekommen, ähnelt mehr dem Kabarett Simpl als einer politisch wertvollen Diskussion. Zuerst einmal drängt sich mir die Frage auf, wofür ein Wahlkampf denn überhaupt gut sein soll. Zur Verschleierung der missglückten Wahlversprechen der letzten Periode? Zur übertriebenen Selbstverherrlichung und gleichzeitigen Herabsetzung der Gegner? Zur erneuten Abgabe von illusorischen Versprechen, von denen man jetzt schon weiß, dass sie nie gehalten werden können? Ein solches Theater wird einen Wähler in seiner Entscheidung nie umlenken können, denn ist es nicht der Wahlkampf an sich, der ausschlaggebend für das hart umkämpfte Kreuzerl am Wahlzettel ist, sondern die vorangegangene Regierungsperiode und das Parteiprogramm als solches, das die eigentliche Entscheidungsgrundlage bildet.

Dies scheint jedem Österreicher klar zu sein, mit Ausnahme der Politiker natürlich. Denn die setzen sich nur allzu selbstbewusst, mit geradezu lächerlich angriffslustigen Mienen ins Fernsehen und wenden mehr Energie dafür auf, miteinander zu streiten und den ORF wegen zu kurzer Sendezeiten abzukanzeln, als dem Zuseher qualitative Argumente zu liefern, die jeweilige Partei zu wählen. Wenn der G. und ich zusammen ein TV-Duell ansehen, ganz einfach weil wir es lustig finden, und uns mit Popcorn und einem Glas Wein darüber amüsieren, wie komisch die Politiker doch sind, und der G. neben mir einen Lachkrampf nach dem anderen bekommt – dann läuft eindeutig etwas falsch. Wenn ich den Kopf schütteln muss, wenn ich mir Wahlplakate und Statusmeldungen auf Facebook ansehe, dann frage ich mich, was die Politiker in unserem Lande dazu qualifiziert, irgendetwas anderes zu regieren als die Entscheidung darüber, ob sie in der Früh lieber schwarze oder blaue Socken anziehen sollen. Denn mehr kann man einigen dieser aufgeblasenen Hähne nun wirklich nicht zutrauen – auch wenn sie nur das Beste für uns wollen, zum Beispiel uns vor Berufskillern zu schützen oder auch vor dem bösen schwarzen Mann, der unser Land überrennt und unsere Arbeitsplätze stiehlt.

Ja, wir leben in einer Demokratie und könnten vieles selbst entscheiden, doch das haben wir nun wirklich nicht gewollt: Politiker, die aussehen wie Barbie Ken aber dafür kein Rückgrat haben; Politiker, die farblos und fade sind und Reden ohne Inhalt schwingen; Politiker, die paranoid und größenwahnsinnig sind und sich, trotz enormen wirtschaftlichen Erfolgs, in ihrem Lebensabend noch lächerlich machen vor der gesamten Nation; Politiker, die Angst und Hetze verbreiten, Ansichten aus dem letzten Jahrhundert vertreten und Parolen grölen, wie man sie in Österreich lieber nie mehr gehört hätte. Die Liste lässt sich quasi endlos fortsetzen, zieht sich durch sämtliche Parteien.

Ich sehe “den Österreicher” so: als intelligenten, reflektierten, belesenen Menschen, der auch hinter den Tellerrand blicken kann, mit einem weiten Horizont und der Gabe zur Voraussicht. So einen Menschen wünsche ich mir an Österreichs Spitze – wieso müssen wir uns dann Tag für Tag diese Theaterkasperln und ihr Kabarett anschauen? Hier ein paar Ideen, wer besser  geeignet wäre unser Land zu regieren: Michael Niavarani, dann wäre das Kabarett wenigstens intelligent. Armin Wolf, dann könnten sich die Politiker eine Scheibe “Rhetorik” abschneiden. Lady Gaga, dann hätte der Wahlkampf die offizielle Berechtigung, “gaga” zu sein. Oder ich, dann hätte das Volk wenigstens was zu lachen mit Inhalt.


COMMENTS


  • Annika

    Ich bin ja Politikwissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Wahlforschung und ich fand deinen Gedanken, dass sich die Parteipräferenz anhand der Performance in der vergangenen Regierungsperiode und des Parteiprogramms (!!!) herausbildet, zum Schmunzeln.

    Gib mir 100 ÖsterreicherInnen und ich wette, dass 88 davon noch nie in ihrem Leben einen Blick in ein Parteiprogramm geworfen haben.
    Die Parteipräferenz bildet sich nach gegenwärtigem Forschungsstand anhand anderer Faktoren heraus, darunter der Aspekt des Protestwählens und sog. irrationale Faktoren, wie etwa familiäre Prägung und Sozialisation. Nichtsdestotrotz spielt natürlich auch die Performance der Regierungsparteien in der vergangenen Periode eine große Rolle.

    Von einer rationalen Wahlentscheidung, wie du sie argumentiert, ist der größte Teil der WählerInnenschaft weit entfernt.

    Die Tatsache, dass einige Policies (landläufig als “Wahlversprechen” bekannt) nicht umgesetzt werden (können), liegt an der Natur des Regieres in Koalitionen an sich, was sich wiederum aus der Parteienlandschaft, die mittlerweile von mehr als zwei starken Parteien bestimmt wird und daher Alleinregierungen so gut wie unmöglich geworden sind, ergibt. Es müssen in Koalitionen eben immer Kompromisse gefunden werden und daher wird die SPÖ niemals einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters zustimmen und die ÖVP niemals einer Kürzung der Förderungen für LandwirtInnen – so fallen eben manchmal Policies, die von einer der Parteien stark angestrebt werden, solchen Kompromissen zum Opfer.

    Grüße,
    Annika

    • Katharina

      Liebe Annika,

      wahrscheinlich hast du vollkommen Recht und ich hätte vor meinen Aussagen ein “sollte” davorstellen müssen. Der Österreicher “sollte” sich aufgrund des Parteiprogramms entscheiden und nicht aufgrund des Wahlkampfs. Traurig, aber wahr, dass es wohl in der Realität anders aussieht!
      Danke für deinen sachlichen Input!

      Liebe Grüße,
      Kathi

    • Annika

      Ein bisschen irrationale Beweggründe im Wählen sind schon nicht schlecht, schließlich kommen Emotionen, die man einer Partei gegenüber empfindet, ja auch von irgendwo und können durchaus hilfreich sein, aber die Parteiprogramme hätten durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

      Richtig arg fand ich einmal einen Artikel in der deutschen Glamour, in dem die Autorin sehr wortreich darlegte, dass die wichtigste Policy, die eine Partei für “die Frauen” durchsetzen sollte, kopfsteinpflasterfreie Straßen sind, da so die Absätze von Highheels besser geschützt würden… Teilweise braucht man sich als modebewusste Frau nicht wundern, dass man für doof gehalten wird, wenn andere modeinteressierte Frauen solche Ergüsse von sich geben 😉

  • Anonymous

    Liebe Kathi,

    in Deutschland sieht es aktuell doch nicht anders aus! Dieser Wahlkampf gleicht einem wahnwitzigen Zirkus. Die Grünen suchen aktuell nach iiiiirgendeinem Thema, mit dem sie gewinnen könnten. Vor ein paar Wochen war es der “Veggie-Day” (die Energie-Wende hat ihnen ja die Kanzlerin weggeschnappt!), heute ist es wieder ein Tempolimit von 120 km/h auf der Autobahn. Alles Dinge die schon 1000 Mal diskutiert wurden und auch nicht umgesetzt werden. Zum Thema Veggie-Day hätte ich nur eine Lösung: Macht das verdammte Fleisch teurer! Dann würden des mehrere “Veggie-Days”in der Woche geben, Bauern müssten nicht mehr subventioniert werden, dem Klima täts bestimmt auch gut…
    Unser SPD-Kanzlerkandidat hat Dreck am Stecken wg. einer Putzfrau, die er schwarz bezahlt hat. Allerdings war das ja gar nicht so: Die Putzfrau war ein Geschenk der Schwiegermutter. Seine Frau hat die Putzfrau dann zwar bar bezahlt und das Geld dann von ihrer Mutter zurück bekommen. Kein Witz, damit wird sich aktuelle entschuldigt/verteidigt. Und natürlich wird dagegen rechtlich vorgegangen.
    Und ansonsten eine Bitte an alle Politiker: Aufhören mit der ganzen Bigotterie! Dann könnte man evtl. den ein oder anderen auch wieder ernst nehmen.
    Was die Parteiprogramme angeht- recht habt ihr!

    Liebe Grüße,

    Denise

  • Anonymous

    i would vote for you Beauty 🙂

  • Anonymous

    Ja, du hast recht, es ist zum Lachen, was uns da als “Wahlkampf” zugemutet wird.Zum Weinen ist, dass sich viele Menschen schon seit langem für Politik gar nicht mehr interessieren.
    Dein Beitrag ist vielleicht ein Anfang, damit zumindest das Schmunzeln
    (+ Nachdenken) nicht zu kurz kommt! Deine U.

  • Svetlana

    bitte kandidiere, meine stimme hast du!
    ich habe mir gestern das Duell glawischnig faymann gerade mal zehn Minuten gegeben, dann bin ich gegangen. war mir alles ein bisschen zu “funny”, wobei die glawischnig noch was gescheites gesagt gehabt hat.
    und den hc gebe ich mir nicht mal, denn der mensch ist für mich einfach nur ein volksverhetzer. schade, dass er trotzdem wieder so viele stimmen kriegen wird… -.-

    lg
    svetlana

  • Anonymous

    Es müsste heissen “über den Tellerrand blicken” ansonsten guter Artikel 🙂 dein Wahlprogramm darfst du uns nun aber nicht vorenthalten 😉

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