Ein Parkfaschist?
**(Für die Gendergeilen unter euch: im nachfolgenden Text wird der Parkfaschist als “Er” bezeichnet, damit sind aber sowohl Männer als auch Frauen gemeint – wobei ich mir hier die Bemerkung erlauben darf, dass Männer im Allgemeinen die größeren Egoisten sind, und das ist eine Tatsache)**
Es gibt nur wenige Themen auf dieser Welt, wo die Gemüter so hochkochen wie beim Autofahren. Eventuell noch Pelz (Hallo Instagram Freunde!), Pädophilie und das war’s dann auch schon – danach kommt lange nix mehr (traurig aber wahr). Im Auto aber wird geschrien und geschimpft, da kehrt man sein dunkelstes Inneres nach außen, ohrfeigt verbal jeden, der einem zu nahe kommt und benimmt sich wie das größte Arschloch.
Wer das noch nie getan hat, ist kein Mensch – ich verzeihe also verbale Ausfälle beim Autofahren ganz gerne und betrachte sie sogar als notwendige Anti-Stress-Therapie (gelernt habe ich diese Toleranz von meinem Vater, dessen liebste Autobeschimpfung charmanterweise “Du Rotzer” lautet). Wo sich das Gelegenheitsarschloch aber von der viel gemeineren Sorte, dem Parkfaschisten, unterscheidet, ist der grenzenlose Egoismus beim Tathergang – denn wo der Choleriker seine Gefühle herausbrüllt und damit wenigstens fast forward drückt und auf Konfrontation geht, entscheidet der Parkfaschist ganz still und heimlich, dass ihm sämtliche Parkflächen dieser Welt ganz allein gehören – zum Teufel mit den Mitbürgern!
Der Parkfaschist zeichnet sich durch drei eindeutige Merkmale aus:
1) Er parkt mit genau einem Millimeter Abstand zu den übrigen Autos, was ein Ausparken ohne Andockmanöver nahezu unmöglich macht. Ich revidiere: unmöglich macht.
2) Er parkt mit soviel Abstand zu den übrigen Autos, dass mindestens drei Parkplätze verschwendet werden, aber in die offenen Lücken dafür niemand mehr passt der nicht gerade 4 Jahre alt ist und mit einem schnittigen Kinderwagen unterwegs ist. Er hat offensichtlich niemals Tetris gespielt, sonst wüsste er es besser.
3) Er lässt sich beim Einparken soviel Zeit, dass sich hinter ihm eine kilometerlange Schlange bildet. Kaum atmet man auf, weil man denkt, er ist endlich drin in der verdammten Lücke, beschließt er, nochmal neu einzuparken weil er noch nicht ganz parallel zum Gehsteig steht. Typ, willst du vielleicht nochmal den Abstand mit dem Lineal nachmessen oder was?Jedenfalls, und das ist der Anlass für diesen Text, wurde ich kürzlich Opfer eines Parkfaschisten Typus Nummer 1. Ich kehre ziemlich guter Laune, nach einem netten Abend mit meinen Freunden, zu meinem Auto zurück, als ich gerade hinter mir ein vertrautes Blinken sehe – viel zu knapp an meinem Auto. Da hat sich doch tatsächlich ein Parkfaschist an meinen Autohintern geschlichen und wollte sich unbemerkt aus dem Staub machen – nicht ohne vorher ein paar böse Blicke von mir zu kassieren. Seinem zerknirschten Blick zufolge war er sich seinem Fehlverhalten völlig bewusst – Typ Manager, dicke Karre, hauptsache er parkt. “Mei, kommen’s eh wieder raus, Fräulein?”. Nach meinem “Das werden wir eh gleich sehen”, hätte er eigentlich schon wissen müssen, was jetzt kommt. Rückwärtsgang rein, Fuß aufs Pedal, und PUFF – Andockmanöver geglückt. Da hör ich’s schon von hinten schreien: “Ojeeee, jetzt hamma schon den Scherben auf”. Blick zurück zum Manager, eine Augenbraue hochgezogen: “Naja, die 2 km/h werden Sie schon ned umbringen. Irgendwie muss ich ja rauskommen.”

Sprach das Gelegenheitsarschloch und brauste davon.


COMMENTS


  • Svetlana

    Parkfaschisten. Wie ich sie hasse!

    Das schlimmste ist ja, wenn man parkt und man geht einkaufen. Und dann kommt man zurück und da parkt jemand neben dir. Und zwar so dicht, dass du NICHT ins auto kommst. Nicht mal, wenn man ne Figur wie ein VS Model hat!

    Ja, die Pelzgegner… Mir kommts vor, das Thema kriegt in letzter Zeit wieder mehr Beachtung. Wieso nicht einfach leben und leben lassen?

    Liebst
    Svetlana von Lavender Star

  • DARIADARIA

    Hallo Kathi! Ich kommentiere so gerne bei dir! Bussi

  • Katharina

    Typus 2 bevölkert die Straße auf der ich wohne… da fährt man zig Runden um den Block, obwohl tendenziell genug freier Platz zur Verfügung steht… im einzelnen aber nicht groß genug. Ich könnt mich aufregen, tue ich auch…bringt aber nix… Teufelskreis! :-/ 😉

  • Anonymous

    Oh,ich kenne vor allem Typ 2 richtig gut! Ich wohne mitten in der Innenstadt von Köln und da ich mir keinen eigenen Parkplatz leisten kann,habe ich so einen Anwohnerparkausweis der Stadt,wofür jedoch nur 3 Straßen in Frage kommen,wo ich parken darf. Innenstadt Köln bedeutet,abends einen Parkplatz zu bekommen ist wie die Nadel im Heuhaufen zu finden und doch gelingt es mir meistens mit meinem kleinen Polo. Jedoch gibt es hier Unmengen an Menschen des Typ 2,die sobald sie etwas gefunden haben,so übermäßig viel Platz für sich beanspruchen,dass sie damit locker 2-3 Parkplätze rauben. Du kannst dir vorstellen wie ich abends vor Wut koche,wenn ich nur nach Hause will und aufgrund der unverschämten Parkweise nichts finde und eine Runde nach der anderen drehe. Es ist doch nicht zuviel verlangt ein wenig mitzudenken,gerade in Umgebungen,wo Parkplätze eh Mangelware sind. Irgendwann hänge ich denen nen Zettel an die Windschutzscheibe und beschwere mich 😉
    Liebe Grüße, Lisa

  • Anonymous

    Hahaha “aber in die offenen Lücken dafür niemand mehr passt der nicht gerade 4 Jahre alt ist und mit einem schnittigen Kinderwagen unterwegs ist” 😀 Dieser Satz hat mir grade den Tag gerettet, dein Schreibstil ist einfach genial! Großes Lob! Liebe Grüße, Elisa

  • Anonymous

    SVETLANA die Redewendung “Wieso nicht einfach leben und leben lassen?” ist in dem Zusammenhang schon etwas unpassend 😀

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