namaste

Lieber Mitmensch, der du das liest: ich muss mich jetzt kurz mal auskotzen. Über mich selber, aber auch über dich. Weil wir alle so verdammt passiv aggressiv sind. Vielleicht würde es mir persönlich schon helfen, weniger Schimpfwörter zu verwenden und damit meinen verbalen Tag friedlicher zu gestalten, aber da ich mich meistens nach einem kleinen “verdammt” schon viel besser fühle (so wie Harvey Specter, der sagt auch ständig goddamn, wirkt einfach alles viel besser, oder?), sehe ich das als Worttherapie und lasse meinen Sprachgebrauch in diesem Post außen vor – ich hoffe, auch ihr könnt in dem Zusammenhang darüber hinweg sehen. Also zuerst mal: heute ist World Peace Day. Den gibt es deswegen, weil vor 15 Jahren in New York ein paar Arschlöcher (Schimpfwort!) beschlossen haben, unser aller Leben mal kräftig durchzurütteln und dadurch die Welt, in der wir uns bewegen, für immer zu verändern. Das Motto des diesjährigen Peace Days ist übrigens “The Sustainable Development Goals: Building Blocks for Peace”. Und wie wäre es damit, bei dem aller einfachsten aller “Blocks” anzufangen: bei sich selbst und der Art und Weise, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Dazu ein kleiner Schwank aus meinem spannenden Leben (genauer gesagt: von gestern), der mir überhaupt erst den Anstoss zu dem heutigen Post gegeben hat.

Da fahr ich also gestern so durch die Stadt, treff mich mit meinem G. zum Lunch und bin eh schon angespannt weil bissl spät dran und so, Tank am limit und ich on egde und Parkplatz suchen muss ich auch noch. Überhaupt, wie elendig ist die Parkplatz Situation in Wien immer? Naja, dann ist man eh schon genervt, kurvt das 15. Mal um den selben Straßenblock in der Hoffnung dass der Tank noch ausreicht und dass irgendwer beschlossen hat, sein Mittagessen bissl früher abzubrechen ergo den Parki zu sponsern (was so oft vorkommt wie ein 6er im Lotto) und dann seh’ ich ihn schon von der Weite: ein richtig präpotentes Arschloch (Schimpfwort, wollen wir ein Trinkspiel draus machen?), das mich ansieht, sich einen imaginären Zebrastreifen zaubert und gaaaaanz gemütlich vor mir über die Straße kriecht. HALLO, sieht das große breite graue Ding aus Asphalt auf dem du hier schlenderst vielleicht IRGENDWIE aus wie dein persönlicher Gehweg? Ich meine, auch noch einen kleinen Grinser in seinem Gesicht zu erkennen (weil er natürlich weiß, dass ich ihn nicht mitten in der Stadt über den Haufen fahren werde, der kleine Klugscheisser – würde der das mit mir in meiner Hood im 16. machen, würde die Geschichte schon ganz anders aussehen) und bremse logischerweise NICHT ab, denn ich bin rasend vor Wut – er hat mich ja schließlich auch TOTAL provoziert. Also gebe ich Gas, er verlangsamt sein Tempo noch weiter, wir schauen uns in die Augen und messen unsere Kräfte, ich gebe natürlich aus oben genannten Gründen nach, hupe und schreie und er zeigt mir den Finger. So, und was dadurch passiert, regt mich immer noch auf: durch das Gehupe und Herumgefuchtle im Auto ist mir jetzt auch noch mein Fingernagel in alle Richtungen gesplittert und ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich ihn anschaue, weil, wer mir auf Snapchat folgt, weiß, dass ich gerade verzweifelt daran bin, meine dünnen Nägel ein bisschen zu stärken und wieder gesund zu machen. Und die Moral von der Geschicht? Arschlöcher behupt man nicht. Das heißt jetzt übersetzt: natürlich ist das überhaupt keine dramatische Geschichte. Es ist nichts, woran man seine Lebenszeit verschwenden sollte – und trotzdem hat es mich so geärgert, dass ich mich selber so aus der Ruhe habe bringen lassen. Richtiger wäre gewesen, pünktlich von Zuhause wegzufahren, am besten mit dem Rad, weil man sich dann sowieso nicht über fehlende Parkplätze ärgert und die Umwelt schont, und einfach vor dem Typ abzubremsen, durchzuatmen und ihn freundlich anzulächeln – dann hätte ich mich nicht so aufgeregt und mein Karma hätte mir den Nagelbruch erspart.

Solche und ähnliche Gelegenheiten zur Selbstbeherrschung gibt es viele und man muss sich auch nicht immer mit seinem Gegenüber duellieren und als Sieger hervorgehen. Ich lese gerade ein Buch, das Yoga Unlimited heißt, und darin beschreibt der Autor, dass man, bevor man sich über einen anderen aufregt, daran denken soll, dass das da ja kein Ding ist, was einem irgendwie unterkommt und im Weg ist, sondern ein Mensch. Der atmet wie du und ich, der vielleicht Probleme hat oder einen schlechten Tag. Und bevor man unüberlegt in Rage gerät, lieber 3 Mal tief durchatmen, sich – wie er es nennt – mit seinem Little Guru connecten und daran denken, was man selbst zu einer Situation beigetragen hat (hat bei mir ja schon voll gut geholfen, wie man sieht). Was man alles machen kann, um weniger passiv aggressiv zu sein und ein bisschen mehr Friede, Freude und Eierkuchen in die Welt zu bringen, ist vielfältig: dem grantigen Kellner das freundlichste Lächeln schenken und ihn fragen, ob er einen stressigen Tag hat. Der Kassiererin kurz vor Ladenschluss einen schönen Feierabend zu wünschen und es auch zu meinen. Wenn jemand zwei Plätze in der Bahn besetzt, ihm keine Todesblicke zuwerfen und darauf zu warten, dass er deine Gedanken liest, sondern einfach höflich darum bitten, ein bisschen Platz zu machen. Dem Kollegen, der einen in der Früh schon nervt, mit Gelassenheit entgegentreten und akzeptieren, dass er eine andere Herangehensweise hat als man selbst. Generell bemühe ich mich meistens, sehr fried- und respektvoll mit meinen Mitmenschen umzugehen, deswegen schäme ich mich auch ein bisschen für meinen Ausbruch gestern. Darum hoffe ich jetzt sehr uneigennützig mit diesem Post auf ein bisschen Karma-Ausgleich und wünsche euch hiermit einen wunderschönen Tag – bitte jetzt einmal ein ganz breites Lächeln vorstellen und noch was: ich freue mich total, dass so viele meinen Blog regelmäßig besuchen und mit soviel Interesse mein Leben verfolgen. (Ok, das war jetzt geschleimt, aber ich dachte, vielleicht kann ich noch paar Zusatzpunkte sammeln.)

Namaste.


COMMENTS


  • Lisa

    Super Beitrag!!!! 🙂
    LG, Lisa

  • Anna-Laura Kummer

    Liebe Kathi,

    du begeisterst mich jedes mal aufs Neue mit deinen tollen Schreibkünsten. Ein Wahnsinn – wirklich bemerkenswert! Ich kann dich übrigens sehr gut verstehen: Auch ich muss mich in letzter Zeit selbst ein bisschen “zügeln” und ein paar mal durchatmen, um nicht zu explodieren. Aber das ist ganz normal. Muss mir dieses Yoga Buch einmal ansehen.. vielleicht hilft das ja!

  • Julia

    Wie recht du nicht hast.

    Ich war früher immer ein sehr gestresster angespannter Mensch, der seinen Mitmenschen oft grantig gegenüber getreten ist. Erst während meiner längeren Reise nach Asien hat sich das bei mir geändert. Ich war auf einmal viel gechillter und gelassener. Ist doch egal, ob man wo 5 Minuten später hinkommt oder früher. Die Menschen hab ich angelächelt und das Lächeln wurde erwidert. Einfach ein ganz anderes Lebensgefühl .

    Nach meiner Rückkehr wurde ich dann oft komisch angeschaut, wenn ich fremden Menschen auf der Straße in die Augen geschaut und gelächelt habe. Ich hab ja das Gefühl das liegt an unserer westlichen Gesellschaft hier. Alle sind ständig unter Druck, gestresst und grantig. Leider nimmt es, je länger ich wieder hier bin, wieder zu, dass ich mich ärgere. Und die Gelassenheit wird stückchenweise kleiner. Ich muss mir dann immer meine Zeit dort in Erinnerung rufen. Und Yoga hilft auch dabei nicht immer gleich auszurasten.

    Alles Liebe
    julia
    http://www.yogaandjuliet.com

  • Christina

    Sehr toller Beitrag! Du triffst genau ins Schwarze!
    Und sehr witzig gechrieben, musste die ganze Zeit schmunzeln! 😀
    LG Christina

  • Andreas Moebius

    Hallo Kathi.
    Wo war denn die Vespa?

    Konfuzius sagt: “Ich fahr ne dicke Vespa im Verkehr, da belasten mich A…..löcher und Parklücken nicht mehr”. 🙂

    Gruß
    A.

  • Sylvia

    Hahaha geniale Story. Du hast verdammt Recht, im Endeffekt bringt es einem auch nichts sich dauernd aufzuregen weil man sich damit nur selbst schadet.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at/

  • Kathi

    🙂 Irgendwie habe ich mich sehr gut in dich hineinversetzen können…. Hätte mir 1:1 genauso passieren können und jedes Mal ärgere ich mich anschließend das ich mich überhaupt so auf die Palme hab bringen lassen.
    Ich sollte das Buch wohl auch mal lesen 😉
    Ganz toll geschrieben liebe Kathi!!!!
    <3
    Liebst Kathi
    http://www.meeththehappygirl.com

  • Stephi

    ach herrlich, von mir bekommst du sehr gern ein paar Karmapunkte

  • Panda

    Du bist meine Lieblings-Jung-Autorin! Wahnsinnig gut geschrieben!

    • ketchembunnies

      Awwww danke Panda!

  • Michaela

    Tja, liebe Kathi, wer kennt das nicht! 🙂
    Man lasst sich immer wieder mal – oft aus der eigenen Überforderung heraus- zu unüberlegten, emotionalen und unpassenden Ausbrüchen hinreißen! Und was kommt zurück: mieses Karma! 😉 Oder wie man auf gut österreichisch sagt: wie man in den Wald hineinruft, …
    super Beitrag!! Motiviert mich! Ich werde mich heute bewusst in mehr Gelassenheit üben!! Danke & LG Michaela

  • Vanessa

    Das was du da beschreibst, könnte 1:1 ich sein 😀 ich hab schon diverse Ausraster hinter dem Steuer mit Geschimpfe (täglich) und Mittelfinger (meist wöchentlich) hinter mir.

    Gestern Abend hab ich an deinen Beitrag gedacht, als ich nach 1h Fahrt völlig genervt daheim ankam und mir überlegt habe “Rast du jetzt in die Kurve oder wartest du kurz und lässt den anderen vorbei?”. Ich hab gewartet, der andere hat sich gefreut, gewunken und ich hab gelächelt. Und mir ist kein Zacken aus der Krone gebrochen 😉 so bin ich dann die letzten Meter mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren. Das klappt nicht immer, aber manchmal muss man sich einfach einen Ruck geben.

    Hab einen schönen Tag 🙂

  • Jen

    bei dir ist echt irgendwie eine schriftstellerin verloren gegangen… nicht umsonst hast du vier voll gefühlte tagebücher. mit diesem post hast du mich grad zum schmunzeln gerbracht, auch wenn er ja eigentlich tiefsinng sein sollte. perfekt umgesetzt:)

  • Annalena

    Da lese ich den Beitrag und denke einfach nur: Du sprichst mir aus der Seele! Manchmal gibt es Tage, da will es einfach nicht so, wie man selber möchte und da könnte man nur schimpfen. Ganz toller Beitrag!

  • laura

    so sind die Österreicher/innen nun mal: immer am meckern (schon in aller herr gotts früh), immer am aufregen, dauer – schlecht – gelaunt, schauen immer grantig, als würde es nichts schönes in ihrem/seinem leben geben , bei jeder kleinigkeit herrscht gleich aufregung pur wenn etwas nicht passt ….. ich könnte noch viel mehr aufzählen.
    da kann ich Julia nur zustimmen, reist mal nach Asien. Dort werdet ihr sehen wie gelassen man eigentlich sein kann und diese unnötigen aufregungen (wie ich finde keinen parkplatz, ohhhh da geht jemand über die straße , aber ich habe es so eilig…..) einfach nur belächelt.

  • Linn

    Großartiger Beitrag! Kenne das leider nur zu gut, insbesondere Montags scheint das schimpfwortaffine Teufelchen auf meiner Schulter diese Schnarchnase von Engel auf der anderen Seite immer zu überstimmen. Ich gelobe aber Besserung und werde den Rest des Tages jetzt in bester Peace-Manier allen Menschen einen fabelhaften Start in die Woche wünschen, dir natürlich auch!

    Alles Liebe,
    Linn

    PS.: Ich war mal so frei und hab dich verlinkt: https://linnmaira.com/2016/09/26/7-in-some-words-1/

  • Conny

    Obwohl die Story ansich natürlich ärgerlich ist, hast du das Ganze wirklich sehr gut geschrieben!
    ….Und ich kenne das leider auch – gerade beim Autofahren muss ich immer sehr viel schimpfen und mich ärgern. Natürlich bringt das alles gar nichts – man weiß es und dennoch macht man es.

    ❤ Liebste Grüße ❤
    Conny von conniemarrongranizo.at
    Personal Austrian Blog about Fashion | Beauty | Lifestyle | Food | and more

  • Sabrina

    Liebe kathi. Ich liebe dich einfach! 😀 mit solchen posts machst du meinen Alltag einfach ab und an erträglicher.. in manchen Situationen frage ich mich des Öfteren ob es an mir liegt oder doch an meinem Umfeld. Oder noch schlimmer ich vieleicht reifer und weiser sein müsste für mein Alter von 27 Jahren 😀 ?? Du bist authentisch, während des Lesens könnte man meinen dir in einem Gespräch gegenüber zu stehen. Mach weiter so wir sind gespannt!
    Liebe Grüße aus Stuttgart. Sabrina 😉

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